Eingeladen hatten das Zentrum Verkündigung der EKHN und das Geistliche Zentrum der Johanniter Nieder-Weisel im Evangelischen Dekanat Wetterau. Im Mittelpunkt des Tages stand der Vortrag von Kirchenpräsidentin Prof. Dr. Christiane Tietz, die den gesamten Tag begleitete.
Ein Tag zwischen Stille, Gespräch und Praxis
In der Morgenandacht in der Komturkirche stimmten Dekan Volkhard Guth (Dekanat Wetterau), Pröpstin Sabine Bertram-Schäfer (Oberhessen und Nord-Nassau) und Johannes Perlitt, Kommendator der Hessischen Genossenschaft des Johanniterordens, auf den Tag und das Thema ein. Johannes Misterek, Pfarrer am Geistlichen Zentrum, übernahm die organisatorischen Hinweise, bevor Pfarrerin Kerstin Offermann (Referat für geistliches Leben im Zentrum Verkündigung) das Bibelteilen einleitete, bei dem sich die Teilnehmenden anschließend in Kleingruppen über die Begegnung Jesu mit der samaritischen Frau am Jakobsbrunnen (Johannes 4) austauschten. Bei dieser Methode geht es vor allem um den persönlichen Zugang und die Resonanz, die der Text bei jedem Einzelnen auslöst.
Fünf Lebensadern
Kirchenpräsidentin Tietz knüpfte in ihrem anschließenden Vortrag zum Thema „Aus der Quelle leben“ an die Bibelarbeit des Morgens an: Auch Jesus sei im Bibeltext müde und erschöpft, wie wahrscheinlich viele der Teilnehmenden in der aktuellen Zeit, die gesellschaftlich, politisch und kirchlich herausfordernd sei. Zentral sind für die Kirchenpräsidentin in diesen Zeiten fünf Lebensadern, „die uns mit Gott als Quelle des Lebens verbinden“ – Gemeinschaft, Gottesdienst und Gebet, Zeugnis, Diakonie, Seelsorge und Bildung.
Ihr Vortrag war geprägt von vielen persönlichen Einblicken. So erzählte sie, wie sie beim Bibelteilen am Morgen eine besondere Verbundenheit unter Menschen gespürt habe, die sich zuvor nicht kannten. Gemeinschaft könne den Glauben stärken, auch weil dort Raum sei, über Zweifel ins Gespräch zu kommen. Gottesdienst und Gebet unterbrächen den Alltag und seien eine Möglichkeit zum „Auftanken“. Zur Diakonie sagte sie: „Es ist stärkend, wenn einer dem anderen zum Nächsten wird, wie beim barmherzigen Samariter.“
Zur Zuflucht seien ihr in schwierigen Zeiten Texte von Dietrich Bonhoeffer und Karl Barth geworden, aus denen sie auch zitierte. Besonders berührten sie die letzten Worte Barths: „Gott sitzt im Regimente! Darum fürchte ich mich nicht.“ Stärkend seien für sie überhaupt Texte, die von schweren Zeiten erzählen und danach fragen, was den Menschen darin Kraft und Hoffnung gegeben habe. Die Vorbereitung ihrer Predigten sei für sie daher ebenfalls eine geistliche Quelle. Menschen bräuchten andere, die ihnen das Evangelium zusagen: „Der Christus im eigenen Herzen ist schwächer als der im Wort des anderen“, zitierte sie Bonhoeffer.
Zugleich betonte die Kirchenpräsidentin, dass sich die EKHN mit dem ersten der strategischen Ziele, die sie sich im Rahmen des Reformprozesses ekhn2030 gegeben hat, verpflichte, eine geistliche, glaubwürdige, menschennahe und sichtbare Gestalt des Evangeliums zu leben und sich immer wieder neu am Evangelium zu orientieren.
Fragen auf Bierdeckel
Der Vortrag endete mit drei persönlichen Fragen an die Teilnehmenden: Welche der Lebensadern verbindet mich besonders gut mit Gott? Warum ist das so? Und wann suche ich sie auf? Auf eine Zeit der Stille folgte der Austausch mit der Sitznachbarin oder dem Sitznachbarn. Dann bekamen die Teilnehmenden die Möglichkeit, Fragen an die Kirchenpräsidentin auf Bierdeckeln zu notieren.
Im anschließenden Gespräch mit der Moderatorin, Journalistin und Autorin Sabine Langenbach beantwortete Tietz dann Fragen zu ganz unterschiedlichen Themen aus dem Plenum. Es ging dabei um persönliche Zeiten der Besinnung und um theologische Nachfragen zum Vortrag. Andere fragten nach der Bedeutung von Schule und Religionsunterricht, nach dem Verhältnis von neuen und klassischen Gottesdienstformen und danach, wie Gemeinschaft in der Gemeinde (wieder) wachsen kann. Dazu kamen Fragen rund um den Prozess ekhn2030, die politische Positionierung der Kirche oder die Rolle Künstlicher Intelligenz in der Welt.
Workshops und Tauferinnerung
Mit dem Mittagsgebet endete der erste Teil des Tages. Anschließend war ausreichend Zeit für das Mittagessen und die persönliche Begegnung. Am Nachmittag wurde in Resonanzgruppen das Thema des Tages „Aus der Quelle leben“ noch einmal vertieft. Danach konnten die Teilnehmenden zwischen zehn Workshops wählen. Die Workshops reichten von Pilgern, Qigong, Körperlernen und Centering Prayer über Bibliolog, „Singen, was trägt“ und eine Schreibwerkstatt bis zu Wellness mit der Bibel, Gremienspiritualität und christlichem Handauflegen. Eine Abschlussandacht mit Tauferinnerung und Reisesegen in der Komturkirche beschloss den Tag.
Zum Vorbereitungskreis zählten neben Pfarrerin Kerstin Offermann und Pfarrer Johannes Misterek, auch Pfarrer Jürgen Schweitzer, Pfarrerin Heinke Willms, Pfarrer Joachim Neethen, Sabrina Schmid, Claudia Schulze-Rauschelbach, Martin Birkenfeld und Anna-Luisa Hortien. Manuel Schienke, Referent für Popularmusik im Zentrum Verkündigung der EKHN, begleitete den Tag musikalisch. Der Tag wurde vom Pilgerfonds der EKHN, der Ehrenamtsakademie der EKHN, dem Zentrum Verkündigung der EKHN, der Jesus-Bruderschaft Gnadenthal sowie den Dekanaten Rheingau-Taunus und Büdinger Land unterstützt.
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