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Mein Gott-sei-Dank-Sonntag

„Mach dir einen Knoten ins Taschentuch!“

Als Kind habe ich diesen Satz oft von meinem Vater gehört. Immer dann, wenn ich mir etwas Wichtiges merken sollte. Meistens hat das dann auch funktioniert! Stofftaschentücher benutze ich heute eher selten und wenn ich etwas nicht vergessen darf, dann gebe ich eine Erinnerung in mein Handy ein. Trotzdem ist der „Knoten im Taschentuch“ für mich immer noch ein liebgewonnenes Erinnerungssymbol.

Ich habe entdeckt, dass das Kirchenjahr mit seinen unterschiedlichen Feiertagen für mich wie viele „Knoten im Taschentuch“ sind. Durch das Jahr hindurch hält es mir unterschiedliche Aspekte der Liebe und Treue Gottes vor Augen, die sonst im hektischen Alltag schnell in den Hintergrund treten.  
Der Erntedanksonntag ist ein besonderer „Knoten im Taschentuch“. Ich bin begeistert und ich singe laut mit, wenn im Gottesdienst „Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn. Drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!“ angestimmt wird.

Als Matthias Claudius vor mehr als 230 Jahren das Lied dichtete, war mit „Alle gute Gabe“ natürlich in erster Linie der Ernteertrag gemeint, den die Bauern von den Feldern und Bäumen eingefahren hatten. Heute geht man zum Supermarkt, Discounter und vielleicht auch noch in den Hofladen, um Obst und Gemüse einzukaufen. Wie aufwändig das Säen, Pflegen und später das Ernten ist und dass dies Dankbarkeit weckt, das haben die Wenigsten beim Einkauf vor Augen. Der Erntedanksonntag hat trotzdem nicht ausgedient!

„Alle gute Gabe“ beschränkt sich für mich nicht nur auf Obst und Gemüse. Dieser Sonntag hat noch mehr zu bieten. Er kann mein „Gott-sei-Dank-Sonntag“ werden, wenn ich genau hinschaue, wofür ich in meinem Leben dankbarsein kann: Menschen, die mein Leben bereichern; einen Beruf, der mich erfüllt; Gaben, die mein Schöpfer mir geschenkt hat; die herbstliche Natur, die zum Farbenspektakel wird; kurze Auszeiten im Alltag, in denen ich Kraft schöpfen kann.

Wofür sind Sie zutiefst dankbar? Nehmen Sie sich Zeit und notieren Sie jeden Tag ein bis zwei Dinge, für die Sie „Gott sei Dank“ sagen können. Sie werden staunen, was Sie alles entdecken. Diese Übung ist auch ein gutes Mittel gegen den „Herbst-Blues“, den viele fürchten, wenn der Goldene Oktober sich verabschiedet und der graue November kommt.
Eine  dankbare Lebenshaltung tut mir gut. Das ist sogar wissenschaftlich nachgewiesen. Aber diese Einstellung fliegt mir nicht zu. Es ist meine Entscheidung mit der „Brille der Dankbarkeit“ durchs Leben zu gehen. Sie hilft mir auch in schweren Lebenslagen das Gute, das Gott mir schon geschenkt hat, im Blick zu behalten. Ja, das fällt nicht immer leicht. Das wusste schon der Psalmist (Psalm 103) und ermutige deshalb mit diesen Worten: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Daran will ich mich immer wieder erinnern. Nicht nur am Erntedanksonntag. Und deshalb mache ich mir einen Knoten ins Taschentuch! Wenn auch nur gedanklich!

Sabine Langenbach 
Referentin am Geistlichen Zentrum, Journalistin, Autorin, Youtuberin und Die Dankbarkeitsbotschafterin