Dekanatssynode beschäftigt sich mit Nachhaltigkeit in Gemeinden

veröffentlicht 23.09.2026 von Anna-Luisa Hortien, Evangelisches Dekanat Wetterau

Vom Lastenfahrrad bis zur Regenwassernutzung: Die Synode des Evangelischen Dekanats Wetterau hat am Wochenende bei ihrer Herbsttagung in Nieder-Weisel darüber nachgedacht, wie Gemeinden nachhaltiger werden können.

Tagungsort war das Geistliche Zentrum Nieder-Weisel. Im Gottesdienst in der Komturkirche dankte Präses Tobias Utter zunächst für die Gastfreundschaft. Johannes Perlitt, Kommendator der Hessischen Genossenschaft des Johanniterordens, und Pfarrer Johannes Misterek stellten das Zentrum später noch einmal näher vor, da es für viele Synodale der erste Besuch an diesem Ort war, der durch eine Kooperation des Dekanats und der Johanniter getragen wird.

Gottesdienst in der Komturkirche mit Ehrung

In seiner Predigt stimmte Dekan Volkhard Guth auf das Thema der Tagung ein. Der Begriff der Nachhaltigkeit stamme aus der Forstwirtschaft und meine ursprünglich, nicht mehr Holz zu entnehmen, als nachwächst. Im Kern gehe es um die Frage: „Wie können wir heute so leben und handeln, dass auch morgen noch gutes Leben möglich ist?" Das sei Kernbestand des christlichen Glaubens, so Guth. Die Erde gehöre dem Menschen nicht, er sei Verwalter der Schöpfung. Da Umweltveränderungen meist die Schwächsten zuerst träfen, sei Nachhaltigkeit auch eine Frage der Gerechtigkeit und Schöpfungsverantwortung damit ein Dienst am Menschen. Jeder Schritt zähle. „Letztendlich steht dahinter die Frage: Welche Gemeinde wollen wir sein?“ 

Zudem wurde Ute Dern für 40 Jahre als ehrenamtliche Prädikantin gewürdigt.

Nachhaltigkeit spielt Rolle in vielen Themenfeldern

Im Zentrum der Tagung stand der Vortrag von Stefan Heinig, Referent für Gemeinwesenorientierung und Stadtentwicklung im Zentrum Bildung und Gesellschaft der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), zum Thema „Nachhaltigkeit und Klimaschutz als Teil zukünftiger Gemeindeentwicklung". Er erläuterte zunächst die Beschlusslage der Landeskirche mit dem Klimaschutzgesetz und dem Klimaschutzplan, brachte aber auf Wunsch des Dekanatssynodalvorstands auch viele praktische Beispiele mit.

Bei der klimafreundlichen Mobilität stehe der ländliche Raum vor größeren Herausforderungen als die Stadt. Beispiele reichten vom E-Lastenrad bis zum Bürgerbus. Klimagesunde Verpflegung betreffe das Kita-Essen ebenso wie den Einkauf für Gemeindeveranstaltungen. Der Ansatz des Teilens umfasst Tauschkästen, Food- oder Carsharing. Die Folgen des Klimawandels fordern Anpassungen, so nannte Heinig kühle Kirchen als Zufluchtsorte, Veränderungen bei der Gestaltung von Kirchhöfen, Parkplätzen und Fassaden oder der Regenwassernutzung sowie Auflagen bei der Verpachtung landwirtschaftlicher Flächen. Aufgabe sei aber auch die Bildung und theologische Auseinandersetzung mit dem Thema. Das wichtige, aber auch sehr umfassende Feld der Gebäude klammerte er bewusst aus.

“Quick wins” und Meilensteine

Gemeinden und Nachbarschaftsräumen riet er, zunächst die eigenen Ressourcen, Partner und Netzwerke vor Ort zu prüfen und nach sogenannten „Quick wins“ zu suchen, also Maßnahmen, die sich schnell und ohne großen Aufwand vor Ort umsetzen lassen. Es gelte außerdem Prioritäten und Meilensteine zu setzen. Das Zentrum biete verschiedene Unterstützungsmaßnahmen und Materialien an.

In anschließenden Gesprächsgruppen wurde deutlich, dass die Aufgabe groß ist, es aber durchaus kurzfristig umsetzbare Maßnahmen gibt. Besonders bei den Gebäuden sahen die Synodalen viel Klärungsbedarf, etwa beim Denkmalschutz. Aber auch bei der Frage nach der strukturellen Verantwortung der Kirche als Organisation, die sie Pröpstin Sabine Bertram-Schäfer mit auf den Weg gaben, die die Kirchenleitung bei der Synode vertrat.

Bericht des Dekans und Anträge

In seinem Bericht ging Dekan Volkhard Guth nach der Mittagspause auf wichtige Entwicklungen im Dekanat ein. Die Kitas stehen weiterhin vor Herausforderungen: Es fehlen Fachkräfte, und die Kinderzahlen gehen zurück. Mit den Kommunen laufen Verhandlungen über die Betriebsverträge. Erfolgreich eröffnet wurde im August die neue intergenerative Kita in Ober-Mörlen. Kita-Geschäftsführerin Elisabeth Kessler geht zum Jahresende in den Ruhestand. 

Die Evangelischen Familienzentren, deren Träger die Evangelische Familienbildung Wetterau (EFB) und damit das Dekanat ist, erreichten in diesem Jahr durch ihre Angebote bereits zwischen 800 und 2400 Menschen pro Standort. Die EFB selbst hat den Umzug ihrer Kursräume ins Haus 12² in der Kaiserstraße 144 abgeschlossen, auch das Nähatelier ist nun fertig. 

Beschlossen wurde außerdem ein Antrag, der die Vergabekriterien des Dekanatssonderfonds erweitert.